Rezension über:

Wilfried Reininghaus / Jürgen Kloosterhuis (Bearb.): Das 'Taschenbuch Romberg'. Die Grafschaft Mark in der preußischen Statistik des Jahres 1804 (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Westfalen. XXII A: Geschichtliche Arbeiten zur westfälischen Landesforschung. Wirtschafts- und sozialgeschichtliche Gruppe; Bd. 14), Münster: Aschendorff 2001, 291 S., 4 Abb., ISBN 978-3-402-06797-0, DM 98,00
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Rezension von:
Ralf-Peter Fuchs
Historisches Seminar, Ludwig-Maximilians-Universität, München
Redaktionelle Betreuung:
Gudrun Gersmann
Empfohlene Zitierweise:
Ralf-Peter Fuchs: Rezension von: Wilfried Reininghaus / Jürgen Kloosterhuis (Bearb.): Das 'Taschenbuch Romberg'. Die Grafschaft Mark in der preußischen Statistik des Jahres 1804, Münster: Aschendorff 2001, in: sehepunkte 1 (2001), Nr. 2 [15.02.2001], URL: http://www.sehepunkte.de
/2001/02/3547.html


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Wilfried Reininghaus / Jürgen Kloosterhuis (Bearb.): Das 'Taschenbuch Romberg'

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Als Christoph Leopold Weber 1910 seine Arbeit über die "Anfänge der Statistik in der ehemaligen Grafschaft Mark bis zum Jahre 1609" vorlegte, musste er zugeben, dass man für jene Zeit noch kaum ein modernes Verständnis von Statistik als einer wissenschaftlichen Disziplin voraussetzen könne. [1] Ebenso ist das nun in einer Edition vorliegende "Taschenbuch Romberg" aus dem Jahre 1804 durchaus noch einer "'vorstatistischen' Zeit" (7) zuzuordnen, auch wenn bereits im darauf folgenden Jahr mit der Gründung des Königlich Statistischen Bureaus von Preußen ein entscheidender Schritt zur Professionalisierung und Verwissenschaftlichung vollzogen werden sollte.

Beim "Taschenbuch Romberg" handelt es sich um eine in tabellarischen Übersichten dargestellte "Zustandsbeschreibung" der Grafschaft Mark, laut Titel auf der Basis von Datenerhebungen für das Jahr 1804. Der Band ist Teil des Nachlasses Romberg im Nordrhein-Westfälischen Staatsarchiv Münster. Der ursprüngliche Besitzer und Eigentümer war Ludwig Freiherr von Vincke als im Jahre 1804 amtierender Präsident der Kriegs- und Domänenkammer zu Hamm. Gisbert von Romberg erhielt das Taschenbuch 1809 als Präfekt des Departements Ruhr im Großherzogtum Berg zum Zweck der übersichtlichen Information über die ihm zugeteilten Gebiete zugeschickt. Auch dem heutigen Benutzer bietet das Tabellenwerk als Edition ein rasch überschaubares und verwertbares Datengerüst zu den zur Grafschaft Mark gehörigen Gebieten unter anderen des Ruhrgebietes und des Sauerlandes kurz vor dem Ende des Alten Reiches.

Wie die Bearbeiter mit Recht feststellen, ist die Edition einer Momentaufnahme von wirtschaftlichen, administrativen und demographischen Daten eher ein ungewöhnliches Unterfangen. Die Möglichkeit einer Zeitreihenbetrachtung ergibt sich jedoch über Vergleiche mit früher angelegten Datenerhebungen für die Grafschaft Mark, die im Anhang mitsamt Quellen- und Editionsnachweisen sowie kurzen Inhaltsbeschreibungen aufgeführt sind. Der landes- und regionalgeschichtlichen Forschung wird damit Material zur Verfügung gestellt, das künftig detailliertere, über die Forschungen von Stefanie Reekers hinausgehende Kenntnisse vermitteln kann. [2]

Das "Taschenbuch" beginnt mit Auskünften zur Zahl der Einwohner, aufgeteilt nach Städten und Bewohnern des "platten Landes" (Kapitel I und II). Den demografischen Basisdaten schließen sich Informationen zu den wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Verhältnissen in den Städten und auf dem Land an (Kapitel III). Von den darauf folgenden Übersichten über die Renteien und Domänengehölze (Kapitel IV) dürften agrar- wie umweltgeschichtliche Forschungen profitieren. Ein ganzes Kapitel ist der Saline Königsborn bei Unna gewidmet, wobei sowohl intensiv auf historische wie technische Einzelheiten eingegangen wird (Kapitel V). Ihm folgt ein Kapitel zum Exportgewerbe (Kapitel VI) und drei Kapitel mit Auflistungen der öffentlichen Ausgaben und Schulden (Kapitel VII, VIII und IX). "Vermischte Nachrichten" über die Marken, die Klöster, Flächenmaße, den Getreidebau, Pensionszahlungen an Offiziere und Invalide sowie ein kleines, summarisches Tableau der märkischen Steinkohlezechen (Kapitel X) beschließen den Hauptteil.

Es lassen sich die Schwierigkeiten gut nachvollziehen, vor die sich die Bearbeiter gestellt sahen, ging es doch darum, die tabellarischen Daten, über die wir einen Eindruck anhand zweier Abbildungen gewinnen, komplett zu edieren und dabei einerseits den Ansprüchen und Bedürfnissen der heutigen Forschung, andererseits der editorischen Sorgfalt im Hinblick auf möglichst originalgetreue Wiedergabe Genüge zu leisten. Die Aufgabe wurde in ansprechender Weise erfüllt. Der Historischen Statistik sowie Forschern aus verschiedenen historischen Bereichen, von der landeskundlichen Sozial- und Wirtschaftsgeschichte bis zur Umweltgeschichte, liegt ein nicht unwichtiges Buch, das über einen Personen-, einen Orts- und einen Sachindex gut erschließbar ist, vor.

Anmerkungen:

[1] Christoph Leopold Weber: Die Anfänge der Statistik in der ehemaligen Grafschaft Mark bis zum Jahre 1609. Ein Beitrag zur Finanz- und Bevölkerungsgeschichte der Grafschaft Mark, in: Jahrbuch des Vereins für Orts- und Heimatkunde der Grafschaft Mark 23 (1908/09), 1 - 104.

[2] Stefanie Reekers: Beiträge zur statistischen Darstellung der gewerblichen Wirtschaft Westfalens um 1800. Teil 5: Grafschaft Mark, in: Westfälische Forschungen 21 (1968), 98 - 161.

Ralf-Peter Fuchs